News from the psychopath

Robert Genter: “We All Go a Little Mad Sometimes”: Alfred Hitchcock, American Psychoanalysis, and the Construction of the Cold War Psychopath. In: Canadian Review of American Studies, Volume 40, Number 2, 2010, pp. 133-162. Summary: “This article explores the image of the psychopath in Alfred Hitchcock’s 1960 film Psycho. The famed director’s portrayal of a psychologically damaged young man connected with a much larger discussion over political and sexual deviance in the early Cold War, a discussion that cantered on the image of the psychopath as the dominant threat to national security and that played upon normative assumptions about adolescent development and mother-son relations”.

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  • Samuel Beckett:

    "The simplest course, when the motives of a deed are found subliminal to the point of defying expression, is to call that deed ex nihilo and have done".

Kriminalität und Medien: Berlin 1918-1933 (Forschung)

Sace Elder: Murder Scenes: Normality, Deviance, and Criminal Violence in Weimar Berlin. Ann Arbor: U of Michigan P 2010

Aus der Verlagsanzeige: “Using police reports, witness statements, newspaper accounts, and professional publications, Murder Scenes examines public and private responses to homicidal violence in Berlin during the tumultuous years of the Weimar era. Criminology and police science, both of which became increasingly professionalized over the period, sought to control and contain the blurring of these boundaries but could only do so by relying on a public that was willing to participate in the project. These Weimar developments in police practice in Berlin had important implications for what Elder identifies as an emerging culture of mutual surveillance that was successful both because and in spite of the incompleteness of the system police sought to construct, a culture that in many ways anticipated the culture of denunciation in the Nazi period. In addition to historians of Weimar, modern Germany, and modern Europe, German studies and criminal justice scholars will find this book of interest”.

Google-Preview.

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Grenzen: Forschung

Franziska Lamott (Hg.): Sex Crime Art. Erkundungen im Grenzbereich.  Edition das Narrenschiff im Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010.

Verlagsanzeige:  “Dieses Buch beschäftigt sich mit dem spannungsgeladenen und vielschichtigen Verhältnis zwischen Kunst und Verbrechen, Fiktion und Realität. Die Beiträge der Autorinnen und Autoren erkunden die Übergänge zwischen Fantasie und Wirklichkeit, zwischen Wort und Tat.

Die Inszenierung von Gewalt in Fotografie, Film, Malerei, Körperperformance und Literatur kann über die Ästhetisierung von Grenzüberschreitungen die Aufmerksamkeit auf bestehende Unterdrückungsverhältnisse lenken, während die reale Gewalt nur die krude Umsetzung von Machtphantasien darstellt, die den anderen Menschen negiert, unterdrückt oder gar auslöscht”. (Inhalt und Prolog als PDF.)

Siehe auch Artheon: “Uwe Dönisch-Seidel [beschreibt] eine Kunstaktion von Joseph Beuys in den USA, die die Ergreifung und Tötung von John Dillinger, einem modernen Robin Hood, zum Gegenstand hatte. Franziska Lamott sieht Valie Exports Straßenaktion von 1968 mit Peter Weibel an der Hundekette in der Wiener Innenstadt in Abu Ghraib reinszeniert: Dort führt eine Frau einen nackten Gefangenen an der Leine. Fernando Boteros Folterbilder aus Abu Ghraib von 2006 konnten zwar im Museum Würth in Künzelsau, aber nicht in den USA gezeigt werden. „Die Gefangenen in Frauenunterwäsche, gedemütigt, entehrt, gefesselt und ohnmächtig sind keine mittelalterliche Alpträume … sondern Boteros künstlerische ‚Vision der Hölle auf Erden’ …“ (Franziska Lamott). Maria Isabel Fontao und Thomas Ross gehen dem Genre ‚Kinder, die in Filmen Verbrechen begehen’ nach. Offenkundig erzeugt die Wahrnehmung unschuldiger Kinder und ihrer unheimlicher Taten bei den Zuschauern Unbehagen und Angst. Genau dieses macht den Gruseleffekt aus. Weitere Texte beschäftigen sich mit Sexualdelikten im Spiegel der Lyrik und der kurz nach der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 entstandenen Oper ‚Carmen’”.

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Forschung: “When serial killers go unseen”

“The case of Trevor Joseph Hardy”. By David Wilson, Harriet Tolputt, Nick Howe, and Diane Kemp in Crime, Media, Culture 6.2 (August 2010), pp. 153-167. Abstract: “This article presents a case study of the serial killer Trevor Joseph Hardy — who murdered three young women in Manchester, England between 1974 and 1976, and who is now one of Britain’s longest serving prisoners. Even so, Hardy and his crimes are almost unknown. As such, the article uses the Hardy case to consider academic definitions of ‘newsworthiness’ and the assertion that the rise of the mass media has made serial killing a ‘media event’. Through a series of interviews with journalists who covered the case, the article suggests possible reasons as to why Hardy has disappeared from popular and academic consciousness”.

Außerdem findet sich im neuen Heft von Crime, Media, Culture eine Rezension zu The Rise of True Crime: 20th-Century Murder and American Popular Culture: Jean Murley, Praeger: Westport CT, 2009 (vgl. den NuT-Eintrag).

Das ganze Inhaltsverzeichnis von 6.2.

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“Das Böse” …

“… ist für die Literatur seit der Romantik ein Objekt der offenen Anziehung und lustvoll inszenierten Sympathie. Peter-André Alt erschließt in seinem Werk die Geheimnisse einer unmoralischen Literatur, die das Böse als ästhetisches Phänomen jenseits aller Werte sichtbar werden lässt. Erzählt wird auf diese Weise eine andere Geschichte des Schönen, von der Nachtseite der europäischen Moderne”. Aus der Verlagsanzeige zu

Peter-André Alt: Ästhetik des Bösen. München: Beck 2010.

(Inhaltsverzeichnis und Leseprobe ebd.)

“Peter-André Alt geht den verschiedenen literarischen Genres und Formen nach, in denen moderne Texte ihre Lust am Bösen kultivieren. Von Goethe über E.T.A. Hoffmann, Shelley, Baudelaire, Huysmans, Wilde, George, Kafka bis zu Jünger, Genet, Kertész und Littell wird eine Phänomenologie des Bösen erkundet, die bis heute ein moralisches Skandalon bedeutet”.

(Dank an den freundlichen Zuarbeiter.)

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Temme: Biographie des Juristen (Forschung)

Karoline Peters: J.D.H. Temme und das Preussische Strafverfahren in der Mitte Des 19. Jahrhunderts. (Juristische Zeitgeschichte. Abt. 4, Leben und Werk — Biographien und Werkanalysen 14) Berlin: De Gruyter 2010.

Aus der Verlagsanzeige: “Die Lebensgeschichte des Juristen und Revolutionärs Jodocus Donatus Hubertus Temme ist ein leuchtendes Beispiel für ein aufrechtes Juristenleben im 19. Jahrhundert. Dennoch sind sein Leben und Werk überwiegend der Vergessenheit anheimgefallen. Wenn man sich überhaupt noch an Jodocus Temme erinnert, steht sein politisches Wirken als Demokrat, der in der Revolution von 1848/49 für den Grundsatz der Volkssouveränität und den Konstitutionalismus gekämpft hat, im Vordergrund. Das neunzehnte Jahrhundert war jedoch auch das Jahrhundert der umwälzenden Reformen auf dem Gebiet des Strafverfahrensrechtes”.

Bei Google gibt’s die Vorschau.

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“aus niedrigsten Beweggründen”

Richard Dooling: Brain Storm. New York: Random House 1998.

“Richard Dooling [...] has cleverly written a thriller, ‘Brain Storm,’ that beats the hyphenationists at their own game. This novel can’t easily be subcategorized because it is, among other things, a defense of free speech, a whodunit, a speculation about the way cognitive neuroscience is changing our perception of crime, a satirical portrait of the legal profession, a sex romp, a de facto essay on language and, by no means least, a comedy. This book is packed” (Colin Harrison in New York Times, 19.4.1998).

Man sollte vermutlich nicht gleich aus den Latschen kippen vor Begeisterung, doch die Lektüre (auf Empfehlung des Diskurshistorikers) hat sich gelohnt: James F. Whitlow (White Trash, wie der Name schon andeutet1) geht in die Falle, die ihm seine Frau stellte und erschießt Elvin Brawley als deren vermeintlichen Liebhaber. Weil das Opfer Afro-Amerikaner und hörbehindert zugleich ist, klagt die Staatsanwaltschaft ein Hate Crime an, für das sie dann die Todesstrafe fordern will. Dafür übersieht sie nicht nur die Beziehungen des Opfers zu rechtsradikalen Militanzgruppen, sondern auch die organisierten Falschgeldoperationen, in denen Täter und Opfer gemeinsam stecken. Der zuständige Richter nutzt seine Macht bis zur äußersten Grenze aus, um das Verfahren zu verhindern, weil er einerseits der Staatsanwaltschaft eins reinwürgen will, andererseits aber auch die Kriminalpolitik für verfehlt hält, mit der immer neue ‘innere’ Tatbestände produziert werden, die zwar bezeichnet, aber nicht erkannt werden können. Als Pflichtverteidiger für Whitlow bringt der Richter Joe Watson [sic!] ins Spiel, der nach dem Examen auf seiner ersten (und lukrativen) Stelle bei einer Law Firm für Urheberrechtsrecherchen bei Computerspielen zuständig ist und so wenigstens Erfahrungen mit Virtualitäten hat. Watsons Firma stellt, ehe sie den Associate rauswirft,2 den Kontakt zur Neurowissenschaftlerin Rachel Palmquist her, die in Whitlow ein dankbares Objekt der Forschung findet. (Das erste Kapitel des Romans kann man in der New York Times nachlesen.)

Das alles wird zwar nicht von Watson selbst, aber doch aus dessen Perspektive erzählt. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß man auf vierhundert Seiten kübelweise ‘Wissen’ vorgesetzt bekommt, das sowohl aus den Neurowissenschaften als auch aus der Rechtswissenschaft stammt — oder doch zu stammen scheint: Ohne aufwendige Recherchen und solides Vorwissen ist das nicht nachprüfbar, zumal es Figuren in den Mund gelegt wird, die alles andere als zuverlässige Vermittler sind.3 Doch bei dem ganzen Aufwand des Ermittelns, Erforschens und Definierens kommen ohnehin nur Mäuslein zum Vorschein: Die avancierten Maschinen der Gehirnwissenschaftler entdecken ein Zyste, die im Kopf des Täters die Blutversorgung und möglicherweise auch die  Selbstkontrolle behindert hat, die Juristen einigen sich auf einen Deal, der für Whitlow eine milde Totschlags-Strafe vorsieht, während Watson es wenigstens noch zu einem Fast-Ehebruch bringt, zum Heavy Petting mit Palmquist, bei dem er seine Gehirnaktivitäten als Monitorbilder beobachten kann. Eine Repräsentation des schlechten Gewissens, das er seiner katholischen Erziehung verdankt, kann er dabei nicht erkennen. Wie auch?

Wie steht es also um die Zuständigkeit der Neurowisenschaften für Verbrechen, Übertretungen und Delinquenz? Deren Blick richtet sich ganz auf das arme, wenn auch in jeder Hinsicht unappetitliche Täterschwein. Dafür gibt es zwar Forschungsmittel, aber keine Aussicht, den Haß im Hirn je zu entdecken. Denn der verdankt sich der Systemlogik, mit der das Wort und das Konzept ins Gesetz gestellt wurden. Für die gäbe es andere Zuständigkeiten, weshalb man weder den machtbesessen-verrückten Richter noch den karrieregeilen Staatsanwalt in die Scanner steckt.

Doch Gottes Auge und dessen Gerechtigkeit machen sich an einer unwahrscheinlichen Stelle bemerkbar: Nachdem Watson seinen Fall ohne viel eigenes Zutun gewonnen hat, entdeckt ein blinder Kassierer, daß das Anwaltshonorar aus der Falschgeldproduktion stammt.

Die linientreue Genrekritik reagierte verknarzt und stellte damit nur ihre Apperzeptionsunlust unter Beweis:

“The problem with Brainstorm is that it’s simply too ambitious. Billed as a comedy [...] the book deals with too many weighty subjects to be funny. Although characters such as the gleefully malevolent Judge Stang are fine comic creations, Dooling places them into discussions about hate crimes. Similarly the lengthy treatises on neurology and neuropathology feel like the parts of a film where the leading lady explains the entire story so far to aid the feeble-minded. Any of the subjects on their own would have made a fine and intriguing courtroom drama but together they weigh the book down in a mess of tangled plotlines and intrusive ‘aren’t I clever?’ expositions” (Gary Marshall in Spike Magazine (o. D.)).

  1. Der aber mehrfach determiniert ist: Whitlow bezeichnet auch eine Infektion der Fingerspitze (WP) und verweist so auf den Tripper, den sich der Namensträger außerhalb der Ehe zugezogen, den er aber innerhalb derselben weitergegeben hat. []
  2. Übrigens mit der zutreffenden Begründung, daß er bei seinen Recherchen die Systemsicherheit gefährdet hatte. []
  3. ‘Gut recherchiert’ ist eine Standardformel der Literaturkritik und ein Effekt der Textpräsentation. []
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Der Kriminalroman (Forschung)

Thoma Wörtche bespricht Peter Nusser: Der Kriminalroman. 4., aktualisierte und erweiterte Auflage. (Sammlung Metzler 191) Stuttgart: J. B. Metzler 2009. IASLonline, Kriminalität und Medien.

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Lesen im ‘Dritten Reich’

Christian Adam: Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich. Berlin: Galiani (Kiepenheuer & Witsch) 2010. Wenn man sich die Verlagsanzeige anschaut (dafür kann der Autor nix), dann hält sich der Neuigkeitswert in Grenzen: “Zahlreiche Autoren erreichten mit ihren Werken riesige Auflagen. Die meisten sind – zu Recht – heute vergessen. Viele aber waren auch in den fünfziger Jahren noch Publikumslieblinge. Manche liest man noch heute”. Immerhin gibt’s auch einen Link zur Rezension in der FAZ, die unter dem wirklich bescheuerten Titel “Als der Krieg um die Leser tobte” daherkommt (aber dafür kann die Autorin vermutlich auch nix).

Ich habe das Buch eben über die Fernleihe bestellt, denn, liebe Frau Kiepenheuer & lieber Herr Witsch, ich will es mir nicht mehr leisten, Bücher auf Verdacht zu bestellen und zu bezahlen. Wenn es also weder eine Google-, noch eine Libreka-Vorschau gibt, dann falle ich als zahlender Kunde prinzipiell aus. Das nur nebenbei.

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Law and Literature (Forschung)

1. The European Network for Law and Literature Scholarship has been founded as a vehicle for increasing communication and cooperation between individuals working on related topics within Europe. Founded by a judge and law professor working in the Netherlands and a literary scholar in Germany, this network aims to embrace the variety of disciplines and languages its participants work in as potential sources of scholarly richness and innovation. It is our belief that work on Law and Literature in Europe can develop a profile that more clearly reflects and articulates the cultural identities and legal backgrounds of its participants.

2. Hinweise von Christine Corcos (L&H-Blog, mit Links zu Abstracts und Downloads bei SSRN):

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