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Zitatmontage
… weil die Unterscheidung von ‘Verbrechensdichtung’ und ‘Kriminalroman’ immer noch herumgeistert:
Aus Richard Gerber: Verbrechensdichtung und Kriminalroman.Ursprünglich in Neue Deutsche Hefte, H. 111 (1966), S. 101-117. Seitdem oft wiederabgedruckt und noch öfter zitiert.
“Die Unterscheidung zwischen Kriminalroman und Detektivroman als zwei gleichberechtigten, klar voneinander unterschiedenen Gattungen ist eine Pseudodistinktion, die der Wirklichkeit nicht entspricht und sie verfälscht. In Wirklichkeit haben wir vor uns einfach die Gattung des Kriminalromans, einer Stutzform der Verbrechensdichtung, eine Romanart, in der sich das Hauptinteresse darauf konzentriert, wie ein Sleuth, oder mehrere, einen oder mehrere Verbrecher zur Strecke bringen. Varianten oder Abarten dieses Grundtyps sind nicht ausgeschlossen, aber sie ändern am Wesen des Kriminalromans so wenig, wie etwa die sexuelle Abartigkeit an der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen. Die Spannweite dieses Kriminalromans erstreckt sich vom Extrem des Kriminalrätsels zum anderen Extrem des Kriminalreißers.”
“Die Verbrechensdichtung forscht nach dem Ursprung, der Wirkung und dem Sinn des Verbrechens und damit nach der Tragik der menschlichen Existenz. Der Kriminalroman aber lebt vom Motiv der Jagd. Das ist an sich noch nichts Schlimmes. Granz große Werke der Weltliteratur leben vom Motiv der Jagd. Jagen ist ein Urinstinkt des Menschen. Aber die meisten sogenannten zivilisierten Menschen wagen sich das kaum mehr einzugestehen und behaupten, sie verabscheuten die Jagd, vor allem die Hetzjagd, als unfair und grausam. Im Kriminalroman aber wohnen wir einer Menschenjagd bei. Dagegen sind alle anderen Jagden Kinderspiel.”
Zur ‘Verbrecherjagd’ s. auch den Eintrag zu Ernst Jünger auf Notizen und Texte.
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