Thomas Würtenberger: Die deutsche Kriminalerzählung. Vortrag gehalten bei einem Universitätsabend am 21. Januar 1941. (Erlanger Universitätsreden, Bd. 27) Erlangen: Palm u. Enke 1941.
Würtenberger war (Straf-)Jurist und vertritt die juristisch-kriminologische Tradition, derzufolge die ‘schöne Literatur’ kriminologisch relevantes Wissen nicht nur vermitteln, sondern auch produzieren kann (die soziologische Kriminologie entwickelt diesbezüglich bald eine gesunde Skepsis). Der Vortrag hat keine Scheu, die Grenzen zwischen der Hochliteratur und der (unter Trivialitätsverdacht stehenden) Unterhaltungsliteratur zu überschreiten. Also wird die deutsche Tradition — Schiller, Kleist, Achim von Arnim, Droste-Hülshoff … Raabe, Fontane — um Autoren wie Temme und Hackländer erweitert, wobei freilich die für die Krimi-Tradition entscheidenden Zeitschriftenliteratur (ab etwa 1850) nicht in den Blick kommt.
Demgemäß wird die Durchsetzung der Detektiv-Literatur auf die Wende zum 20. Jahrhundert datiert: Übernahme der angelsächsischen Vorbilder –Poe, Green, Conan Doyle –, aber auch der französischen Polizeidarstellungen. Und (wir schreiben das Jahr 1941): Würtenberger konstatiert, daß mit dem Einfluß des Positivismus auch die ‘analytische Methode’ an Geltung verliere und an ihre Stelle der Versuch trete, “Wesen, Werden und Wirken der Verbrecherpersönlichkeit” auch im Detektivroman zu erfassen (sein Beispiel: Edmund Finke). Darin sieht er die Zukunft des Genres.
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