KL-Forschung (lose Blätter 2: Jolles)

André Jolles: Einfache Formen. Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz. (Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft 15) [1930] 6. unveränd. Auflage. Tübingen: Niemeyer 1982.

“Die Heimlichkeit des Verbrechers, das Rätsel des Verbrechens hat sich in der Neuzeit von einer Kurzform zu einer Großerzählung erweitert, der Detektiverzählung. Wir haben hier den Verbrecher, der sich und sein Verbrechen verrätselt, aber in der Verrätselung wiederum selbst die Möglichkeit seiner Entdeckung eröffnet, und den Aufdeckenden, der das Rätsel löst und die Abgeschlossenheit durchbricht, vor uns” (S. 148 f.).

Im “Kasus” stellen wir uns die Welt “als ein nach Normen Beurteilbares und Wertbares” vor. Normen — das sind dann die Straftatbestände, sonst klappt das folgende nicht: durch “Hinzufügungen” können wir aus den Normen unendliche viele Geschichten machen, jeweils einmalige Fälle (ob fiktional oder nicht). Der Kasus beseitzt die “Neigung”, “sich zur Kunstform zu erweitern –- wir fügten hinzu, Novelle zu werden. [...] Damit zerstörte aber die Kunstform in ihrer Eigengesetzlichkeit die Einfache Form, aus der sie gewachsen war” (S. 191).

Jolles wird von KL-Forschern nicht (mehr) allzu häufig zitiert — und doch stecken in der Differenzierung (Rätsel : Detektivroman; Kasus : Novelle) zu einem guten Teil die Probleme, die die KL-Forschung bis heute hat.

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  1. [...] Konstruktion von Kriminalität”, a. a. O., S. 77, mit schöner Erinnerung an Jolles’ ‘Kasus’.). Diese Reduktion auf den einzigen Urteilssatz, die auch bei Naucke im Hintergrund steht, bleibt [...]

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