Nachdem scheinbar regierungsamtlich, in Wahrheit aber schamlos in “Watching the Detectives” ein uralter und in der Tat dubioser Bericht aus dem Spiegel ausgeschlachtet wird, sei das in genannter Internetpublikation gewohnheitsmäßig im Halbdunkel gelassene Publikum mit einigen Zusatzinformationen bedacht, ehe der hiesige Blog wegen anderweitiger (nützlicherer) Beschäftigung in eine Pause geht.
1. Die im Spiegel genannten, vom RSHA geförderten, aber von dpr nicht weiter erwähnten Kriminalromane:
- Hans Rudolf Berndorff: Shiva und die Galgenblume. (Neuzeitliche Kriminalromane) Berlin und Leipzig: Hillger 1943.
- Felicitas von Reznicek: Shiva und die Nacht der 12 (Neuzeitliche Kriminalroman) Berlin und Leipzig: Hillger 1943.
- Axel Alt (d. i. Wilhelm Ihde): Der Tod fuhr im Zug. Den Akten der Kriminalpolizei nacherzählt. (Neuzeitliche Kriminalromane) Berlin und Leipzig: Hillger 1944.
- Fred Andreas: Das vollkommene Verbrechen. (Neuzeitliche Kriminalromane) Berlin: Hillger 1944.
- Rudolf von Lossow: Das Licht am Styx (Neuzeitliche Kriminalromane) Berlin und Leipzig: Hillger 1943 (vermutlich).
2. Bernd Wehner, der seinerzeitige Spiegel-Autor und frühere Mitarbeiter des RSHA hat diese Geschichte auch in einer autobiographischen Buchveröffentlichung erzählt:
Bernd Wehner: Dem Täter auf der Spur. Die Geschichte der deutschen Kriminalpolizei. Mit einem Geleitwort von Dr. Horst Herold. Bergisch-Gladbach: Lübbe 1983.
3. Polizeigeschichtlich interessierten Lesern seien die Publikationen von Patrick Wagner wärmstens empfohlen:
Volksgemeinschaft ohne Verbrecher. Konzeptionen und Praxis der Kriminalpolizei in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte. Herausgegeben von der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg, Bd. 34. Hamburg: Christians 1996.
Hitlers Kriminalisten. Die deutsche Kriminalpolizei und der Nationalsozialismus, Beck’sche Reihe. München: Beck 2002.
4. Literarhistorisch interessierte seien auf folgende Publikationen hingewiesen:
Carsten Würmann: Deutsche Kommissare ermitteln. Der Kriminalroman im ‘Dritten Reich’. In: Banalität mit Stil. Zur Widersprüchlichkeit der Literaturproduktion im Nationalsozialismus. Hg. von Walter Delaber, Horst Denkler und Erhard Schütz, Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge. Beiheft 1 (1999). Bern u. a.: Lang, S. 217–240.
Ders.: Zum Kriminalroman im Nationalsozialismus. In: Verbrechen als Passion. Neue Untersuchungen zum Kriminalgenre. Hg. von Bruno Franceschini and Carsten Würmann, Juni. Magazin für Literatur und Politik. Berlin: Weidler 2004, S. 143–188.
Joachim Linder: Polizei und Strafverfolgung in deutschen Kriminalromanen der dreißiger und vierziger Jahre. In: Alltagsvorstellungen zur Kriminalität. Individuelle und gesellschaftliche Bedeutung der Kriminalitätsbilder für die Lebensgestaltung. Hg. von Michael Walter, Harald Kania and Hans-Jörg Albrecht, Kölner Schriften zur Kriminologie und Kriminalpolitik, Bd. 5. Münster, Hamburg und London: LIT 2004, S. 87–115.
Ders.: Feinde im Inneren. Mehrfachtäter in deutschen Kriminalromanen der Jahre 1943/44 und der ‘Mythos Serienkiller. In: Internationales Archiv für die Sozialgeschichte der deutschen Literatur 28 (2004), S. 190–227.
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4 Kommentare
Na, die ganze Arbeit kann ich Ihnen ja auch nicht abnehmen, lieber Herr Linder. Freut mich übrigens, dass Sie wieder auf freiem Fuß sind!
bye
dpr
Oh, ich les grad “Kassiber”…also immer noch nicht frei…
bye
dpr
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Wenn Sie die Zellenwände auch so bemalen, gibts entweder Ärger – oder Sie landen in 200 Jahren im Museum. Halten Sie durch!
bye
dpr
Ein Trackback
[...] Berlin und Leipzig: Hillger 1943. (Bemerkungen zur Publikationsgeschichte des Romans gibt es hier.) Im kriminellen Zentrum des Textes steht ein aus Russland emigrierter Kunstmaler, der meist in [...]