“Heinrich von Kleist, ein Romantiker auf seit jeher verlorenem Posten, hätte vielleicht — auf dreimal so viel Seiten wie Schiller — einen aus sich selbst heraus Lodernden durch die Lande gejagt und ihm keine Gnade gegönnt, keinen Erlöser am Ende aller Qualen. [...]
Wer nur Vergeltung ruft, hat nichts begriffen, und wer enttäuscht das Weite sucht, weil der Autor sich bis zur letzten Zeile weigert, das schlechthin Ungeheure, das Verbrechen, ins Behagliche umzudeuten, findet garantiert anderswo Erleichterung, im filzigen Realismus gewöhnlicher Krimis. Vom wahrhaftigen Menschen jedoch erzählt seit den Zeiten der Romantik und ihrer Wegbereiter jene Kriminalliteratur, in der das rasende, irrende, sehnsüchtige, kettensprengende Individuum im Mittelpunkt steht [...]“.
Friedrich Ani über Schillers “Verbrecher aus Infamie” im “Nahschuss” in der Süddeutschen Zeitung, Print-Ausgabe, 5.10.2007, S. 20. (Der Verbrecher und im Zweifel sein Gegenspieler als die letzten Individuen …: das ist auch eine alte Kiste.)
Verwandte Artikel: