Der vollständige Text aus Urania 27 (1840) ist (endlich) als PDF verfügbar.
Ob Ferdinand von Preussach wirklich der der erste Privatdetektiv der deutschen Kriminalliteratur ist, das bleibt noch zu beweisen. Jedenfalls ermittelt er im eigenen Interesse, er reflektiert was er tut und warum er es tut, er handelt taktisch klug, paßt sich den jeweiligen Situationen an — und hat auch noch einen Beinahe-Erfolg. Aufgrund seiner Ermittlungen muß sich die Verdächtige einem Strafverfahren stellen (vgl. dazu schon diesen Eintrag), und damit, daß am Ende ein bis dahin unbekannter Zeuge den wahren Sachverhalt aufklären würde, konnte er wirklich nicht rechnen.
Über den Autor Otto Ludwig Emil von Puttkammer weiß ich so gut wie nichts, außer daß es angesichts des Publikationsdatums unwahrscheinlich ist, daß er sein Pseudonym absichtlich gewählt hätte, um mit dem heute bekannteren Otto Ludwig verwechselt zu werden, da der erst nach 1840 zu veröffentlichen begann.
Ich zweifle, daß Puttkammer seiner Erzählung einen authentischen Fall zugrunde gelegt hat. Er konnte sich über Ermittlungs- und Strafverfahren im linksrheinischen Preußen in zahlreichen zeitgenössischen Publikationen informieren (vgl. z. B. den Fall Fonk), außerdem scheint er den Fall Pivardière gekannt zu haben — ob aus einer der vielen Veröffentlichungen nach Gayot de Pitaval oder von E. T. A. Hoffmann, das muß ebenfalls unentschieden bleiben.
Im übrigen ist die Verwandtschaft der kriminalistischen Zeichen-Konzeption Puttkammers mit der in Droste-Hülshoffs “Judenbuche” (1842) unverkennbar. Ein weites Feld also …
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4 Kommentare
Ja endlich, lieber Herr Linder, müssen wir nicht mehr auf die englische Übersetzung zurückgreifen. Wird heute noch gelesen. Auch weil mein Lieblingsrequisit des 19. Jahrhunderts dabei ist: die Nankinghose, pantalon (de) Nankin, Nankeen breeches, jene gelben hautengen Baumwollbeinkleider, Vorläufer der Jeans, die von Robespierre bis zu Karl May getragen wurden.
Grüße
luju
Emil Freiherr von Puttkammer 26.5.1802-9.9.1875 Potsdam,Jurist Geheimer regierungsrat.Nähere4s bei Kosch unter Otto Ludwig (nicht der Thüringer) und Brümmer.
Lieber Herr Burde, ich danke herzlich für den Nachweis (das Gute liegt nicht selten zu nahe). Die Idee, daß Puttkammer sich einer kleinen Hochstapelei schuldig gemacht haben könnte, erledigt sich, sobald man die Lebens- und Publikationsdaten mit denen Otto Ludwigs vergleicht. Und der — dazu noch linksrheinische — juristische Hintergrund des Autors ist dem Text in jedem Satz anzumerken.
Beste Grüße: Joachim Linder.
Ich lese zwar auch sehr viel Kriminalliteratur. Herr von Puttkammer war mir bis dato nicht bekannt. Werde aber jetzt seine Erzählung einmal lesen.