Die Lektüre von Michael Collins The Secret Life of E. Robert Pendelton (2006, dt. Der Bestseller-Mord )1 habe ich eingestellt, als ich zu dem Nietzsche-Zitat gekommen bin, das spätestens von Robert Ressler für Polizei- und Krimizwecke kanonisiert wurde und seitdem die Selbstbeweihräucherungen jener Polizisten zieren muß, die für uns alle die (einstmalige) Terra Incognita der Lust- und Serienmörder ausmessen.2 Dabei bin ich ziemlich sicher, daß Collins mich mit der Deppenhaftigkeit just dieses Zitats amüsieren wollte und nicht wissen konnte, daß er damit nur noch Überdruß auslöst.
Jetzt aber landet das neueste Heft von Gegenworte auf dem Schreibtisch3, das unter dem Obertitel »Wissen schafft Publikum« auch einen Artikel über den »Campus Roman« enthält, der sich im Deutschen, folgt man der Autorin,4 wesentlich als Campus-Krimi darstellt, dem die folgenden lobenden Worte gelten: »Campusromane und Campuserzählungen [...] argumentieren mit wissenschaftskritischem Impetus«. Ihr Ziel ist »die Dekonstruktion alter Autoritäten in der Scientific Community, die Delegitimierung des Rationalitätsmythos unserer westlichen Moderne – insbesondere ihres Aushängeschilds Wissenschaft«. Dem Zweifler, der dies nachlesen oder überprüfen möchte, wird Rat in einer Fußnote:
»Auf bibliographische Nachweise der folgenden Beispiele wird hier verzichtet, für einen ersten Einblick stattdessen ein Sammelband empfohlen: Amoklauf im Audimax. Die blutigsten Unis. Die gemeinsten Professoren. Die bösesten Studenten . Zusammengestellt von W. Hämmerling. Reinbek 1998: Hell´s Bells für Akademiker!
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- Mit schönen Grüßen an Tobias Gohlis und die Bestenliste, die dem Roman den wahrlich irren Titel Dead of a Writer verpassen, den ich, weil ich es nicht glauben wollte, per Cut-and-Paste hierher verfrachtet habe: von hier. Das Nietzsche-Zitat findet sich bei Collins auf S. 137. [↩]
- Nr. 146 in Jenseits von Gut und Böse lautet (in der Studienausgabe von Colli und Montinari, Bd. 5, S. 98 – da steckt bei mir seit Jahren ein Lesezeichen): »Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange genug in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein«. Die Nrn. 145 und 147 beschäftigen sich übrigens mit dem Geschlechterverhältnis: »buona femmina e mala femmina vuol bastone«. Vgl. Robert K. Ressler and Tom Shachtman, Whoever fights monsters. My Twenty Years Tracking Serial Killers for the FBI, New York, St. Martin’s Press 1992. [↩]
- Hefte für den Disput über Wissen. Hg. von der BBAW, 19. Heft (Frühjahr 2008). [↩]
- Kathrin Klohs: Scheitern in His-Dur. Kritik und Satire des Akademischen im Medium Literatur, ebd., S. 75-77. [↩]
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5 Kommentare
Jetzt, mein Lieber, zwingen Sie mich aber, dem armen Gohlis beizuspringen. “Death of a Writer” wird in der deutschen Ausgabe bei btb als Titel der Originalausgabe von 2006 genannt. Tatsächlich gibt es – kurz mal bei Amazon geguckt – sowohl “secret life” als auch “death” als Titel von 2007er Taschenbuchausgaben. Wahrscheinlich die alte USA / GB – Geschichte.
bye
dpr
Springen Sie ruhig, lieber dpr: die Library of Congress hat “Death of a Writer. 1st U.S. ed. New York : Bloomsbury Pub., 2006.”, die British Library “The Secret Life of E. Robert Pendleton. Originally published: London: Weidenfeld & Nicolson.”, beide aus 2006, aber warum die Bestenliste mich mit dem (grammatisch mehr als zweifelhaften) “Dead of a Writer” verwirren will, erschließt sich mir nicht.
Beste Grüße!
Uh, ja, mein Lieber, das “Dead” ist mir jetzt entgangen… aber Herr Gohlis wirds korrigieren.
bye
dpr
“Hell´s Bells für Akademiker!”
Nicht nur für Akademiker.
Das sind dann die ‘fringe benefits’ — oder?
Ein Trackback
[...] Joachim Linder weniger rühmliche Beispiele zitiert, zeigt die Harvard Law School, dass es definitiv auch anders geht. Denn zukünftig wird sie [...]