oder besser gesagt: seine Theorie der Kriminalität stammt von Doderer. Nicht umsonst legt er sie einem Psychiater namens Dr. Raffael Horn1 in den Kopf:
“Das war bei allen höher systematisierten Wahngebäuden so: Die Leute hatten ihren unmittelbaren psychodynamischen Profit davon und sperrten sich dagegen, ihn zu verlieren” (Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens. Roman. (2006) München: dtv 2008, S. 239).
Auch mit Blick auf die Kriminalität verliert diese Einsicht nichts von ihrer wahrhaft grundstürzenden (und auch deshalb dodererschen) Banalität. Aber jetzt muß ich meinen Hund füttern.
- Heimito von Doderer: Die Merowinger oder Die totale Familie. München: Biederstein 1962. Doderers gewalttätigster Roman. [↩]
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2 Kommentare
Also doch Doderer. Interessant.
Dass das eine Theorie der Kriminalität ist, habe ich schlicht nicht bemerkt. Bei mir ist das unter “Theorie des Wahns” abgelegt und mit einem orangen Zettelchen versehen. Aber es ist natürlich einleuchtend.
Liebe Krimi.Krimi,
es sollte mich freuen, wenn’s bei Ihnen eingepasst werden könnte. Ob’s bei Hochgatterer so intendiert ist, das kann ich selbstverständlich nicht sagen: die intertextuellen Bezüge werden halt durch die Texte hergestellt (und dummerweise nur durch die, die der Leser auch kennt: mich kommt, wenn ich so etwas überlege, immer das Grauen vor dem an, was ich nicht sehe …).
Im Hornschen ‘Wahn’ kommen ätiologische und gesellschaftliche (konstruktivistische) Kriminalitätsheorien zusammen. Das ist schön. Im übrigen weiß ich noch immer nicht, was ich von Hochgatterers Roman halten möchte: der Text bietet so wenig Widerstände, daß ich geneigt bin, darin seine Widerständigkeit zu sehen. Aber es kann auch sein, daß ich ihn damit vor mir selbst retten möchte (schon wegen der ‘Entdeckung’: da bin ich schon wieder beim Wahn …)
In diesem Sinne!