Evidenz

Bild

Dieric Bouts: Gerechtigkeitstafel, Szene: Feuerprobe der Gräfin vor Otto III.
Um 1468, 324 × 182 cm, Holz. Brüssel: Musée Royaux des Beaux Arts. (Quellen: Meisterwerke der Malerei, Wikimedia.)

Siehe dazu Claudia Blümle: “Wahrheitsfindung. Juridische Evidenz in der frühneuzeitlichen Malerei”.

Abstract: “Im Zentrum der Vortrages stehen die zwischen 1470–75 entstandenen Gemälde von Dieric Bouts für das Rathaus von Löwen, die nicht nur kunsthistorisch, sondern auch rechtshistorisch gedeutet wurden, da sie mit der Darstellung einer Feuerprobe eine alte Rechtspraxis illustrieren. In den Rathausgemälden wird das Ordal, das in Löwen seit dem 14. Jahrhundert verboten war, visuell vergegenwärtigt, ohne dass dabei ihr Vergangenheitscharakter aufgehoben ist. Der zeitliche Riss, der somit die Bilder durchzieht, legt es nahe, die Bilder nicht, wie vielfach in der Forschung geschehen, selbst als Exempla zu deuten, sondern in ihnen eine ikonische Reflexion der rhetorischen Figur des Exemplums und der Evidenz zu erkennen. Dem Maler Bouts gelingt dies, indem andere Personen als die Protagonisten der Erzählung im Spiel sind, die vor, neben und hinter den im Raum verteilten Handlungen stehen. Im Gegensatz zum Exemplum mit der Legende Ottos III., die für eine alte Rechtspraxis steht, befindet sich die im Kreis angeordnete Männergruppe in einer Beobachterposition zweiter Ordnung, die die moderne juridische Wahrheitsfindung darstellt. Die neue Rechtspraxis der Untersuchung zeichnet sich primär dadurch aus, dass ausgehend von Zeugen, Sekretären und Sachverständigen, die für das Gottesurteil irrelevant waren, vergangene Verbrechen im Gerichtsraum theatralisch aktualisiert werden” (TAGUNG: Schauplätze der Evidenz. WAS ZEIGT SICH? EVIDENZ IN DEN KULTURWISSENSCHAFTEN. 23.–25. Oktober 2008, IFK Wien; Tagungsbericht bei H-Soz-u-Kult).

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