“Dass John Blaue eine Axt zum Verhängnis wurde, ist ungewöhnlich. Statistisch gesehen bevorzugen Frauen Gift.”
So steht’s heute im Qualitätsmedium, nämlich in der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung. Selbstverständlich ist es trotzdem Unsinn (vulgo: der übliche Medienscheiß). Statistisch gesehen verwenden im Hellfeld relativ mehr Frauen als Männer Gift als Tötungsmittel. Doch von Bevorzugung kann keine Rede sein, und auch nicht davon, daß es in der Geschichte der Kriminalität mehr Giftmörderinnen gebe als Giftmörder. Aber was red’ ich: das ist längst ausdiskutiert, s. nur Ingeborg Weiler: Giftmordwissen und Giftmörderinnen. Eine diskursgeschichtliche Studie. Tübingen: Niemeyer 1998.
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2 Kommentare
Lieber JL,
ich habe mal gelesen, dass es in der BWL circa 15 Jahre dauert, bis Wissen, das an der Uni vorhanden ist, den Weg zu den Anwendern in der Praxis findet
Für weite Teile der Medizin ist das sicher auch wahr: Willkommen im Club.
Denken Sie an den armen Sprachblogger, der schon seit geraumer Zeit immer wieder gegen die Mär anschreibt, dass die Eskimos Dutzende von Wörter für Schnee haben – und die, die die Geschichte immer wieder kolportieren sind gestandene Journalisten, die auch für renommierte Medien aktiv sind).
Beste Grüße
bernd
Lieber Bernd,
die erste mir bekannte Diss. zum Thema Giftmörderinnen-Statistik ist 1937 erschienen. Aber es hilft nichts: Nicht nur Journalisten, sondern (wie im vorl. Fall) auch Journalistinnen und Autoren und Klappentextverfasserinnen und und und … pinseln fröhlich weiter am Frauenbild des überlangen 19. Jahrhunderts: “Mörderin oder Madonna” eben.
Beste Grüße!