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Nachtrag: auf der Website der Kieler Ringvorlesung WS 08/09 ist jetzt der Vortrag von Eckhard Pabst zugänglich.

ES Abzaehl

Fritz Lang: M (1931) (E 1)

Man hört die Kinder, ehe man sie sieht. Sie spielen das Abzählspiel: “Warte, warte nur ein Weilchen, / Bald kommt der schwarze Mann zu dir, / Mit dem kleinen Hackebeilchen / Macht er Schabefleisch aus dir”. Raus ist, wer vom letzten Wort getroffen wird: “dir”.

Es ist der Innenhof eines Mietshauses. Außer den Kindern sind nur Frauen zu sehen, die mit Wäsche beschäftigt sind; sie schleppen schwere Körbe, hantieren an Waschtrog und Waschbrett. Nur einmal erscheint ein Mann in diesem Haus (E 17): der Kolporteur, der den Lesestoff für die Woche vorbeibringt: “Spannend, aufregend, sensationell”.

Der Abzählvers der Kinder beruht auf einem Schlager: “Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt die Liebe auch zu dir …” (1924). Die bekannteste Verballhornung bezieht sich auf Fritz Haarmann, der 1925 hingerichtet wurde: “[…] aus dem Kopf da macht er Sülze, aus dem Bauch da macht er Speck, aus den Beinen macht er Eisbein und das andere schmeißt er weg”. Die Filmversion des Abzählreims ist demgegenüber entschärft, die Kannibalen-Mythe wird ersetzt durch die populäre Erziehungsfigur, den schwarzen Mann, mit dem den ungehorsamen Kindern gedroht wird.

Die Mütter kommentieren das Spiel. Die eine will, daß die Kinder aufhören, sie möchte nicht immer an den Mörder, vor dem die Stadt in Panik ist, erinnert werden. Frau Beckmann hält dagegen, daß man die Kinder wenigstens höre, wenn man sie schon nicht direkt beaufsichtigen könne.

Die Kinder im Hof sind sicher, weil sie eingeschlossen sind. Eingeschlossen aber sind sie, weil sie ausgeschlossen sind; die Angst vor dem schwarzen Mann muß an die Stelle des Schutzes treten, den ‘vollständige Familien’ ihren Kindern gewähren können. Dafür liefert der Film in E 8 ein Beispiel:

ES Schule

Nicht umsonst steht genau im Zentrum des Bildes ein wartender Mann.

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