Die Broschüre aus dem Jahr 1848 kann jetzt vollständig als PDF eingesehen werden. Ein Klick auf das abgebildete Titelblatt genügt. Lesenswert ist sie allemal (Dank an die UB/SB Bamberg.) Daß ‘dieser’ Duncker (für den ich bisher die Vornamen Friedrich Wilhelm August habe) der berühmten Verleger-Familie Duncker angehört hätte, kann ich nicht sehen (s. nur den Artikel von Jürgen Frölich als PDF, in dem Hermann D. als Verwaltungsjurist aufgeführt wird). Aber rätselhaft bleibt mir das doch — zumal auch die Polizeihistorische Sammlung beim Berliner Polizeipräsidenten für die entsprechende Suche keine Ergebnisse liefert und meine direkte Anfrage bisher nicht beantwortet hat (Frau Biermann hätte da gewiß einen besseren Draht als ich). Und wie’s der Teufel will, ist der einschlägige Siemann-Band1 auch nicht greifbar.
***
“Gutzkow wurde, wenigstens mehrere Tage lang, genau beaufsichtigt; wo er wohnte, wohin er ging, wen er besuchte usw. ist alles genau festgestellt. Seiner scharfen Beobachtung entging das wohl nicht, und als er obendrein im Kreise seiner Berliner Literaturfreunde den Polizeirat Duncker ganz gemütlich verkehren sah, der ehemals Laube verhaftet hatte, wurde ihm das ‘Bezähmungsklima’ der preußischen Hauptstadt zu drückend: er machte, daß er wieder davonkam” (H. H. Houben).
Wo man hinschaut, taucht der Berliner Polizeirat Duncker auf. Er ist nicht nur mit der Überwachung der vormärzlichen Literaturszene in Berlin beschäftigt, sondern beispielsweise auch in die Ermittlungen gegen den Mörder Rudolph Kühnapfel oder gegen die Hochstaplerin Sophie Menges eingeschaltet. In der MEGA-Briefedition wird Wilhelm Eichhoff (der Verf. der Berliner Polizei-Silhouetten) mit einem Loblied zitiert, das keineswegs mit der Einschätzung durch Marx übereinstimmt:
“Welch ehrenwerthes Andenken, welche achtbare Erinnerung, welche wahren Verdienste hat dagegen der Polizeirath Duncker bei der Einwohnerschaft von Berlin sich bewahrt! Duncker, ein anständiger, gebildeter Mensch, den ich kurz damit charakterisiren kann, daß er aller jener Eigenschaften entbehrt, die ich an Stieber habe aufdecken müssen,… der anerkannt der tüchtigste Polizeibeamte ist. den Preußen jemals besessen hat, Duncker ist seit 20. März 1848 unbeschäftigt und auf Wartegeld gesetzt… Nun, der Tag, wo der von Person ehrenwerthe Duncker Revanche erhalten dürfte für die durch jenen elenden Buben, seinen Rivalen ihm angethane Unbill, ist nicht fern”.
Auch Willibald Alexis weiß sich vor Bewunderung kaum einzukriegen, während Wilhelm Ludwig Demme für die Arbeit dieser “Polizeiseele” wenig mehr als Verachtung übrig hat. Da wundert’s am Ende nicht, daß J. D. H. Temme (bekanntlich der Erfinder des preußischen Noir) in die nachgelassenen Erinnerungen (1883 von Stephan Born herausgegeben) eine mehrseitige Eloge auf den Polizisten eingebaut hat, die ich jetzt einfach herauskopiert habe und als PDF zur Verfügung stelle.
- Wolfram Siemann: ‘Deutschlands Ruhe, Sicherheit und Ordnung’. Anfänge der politischen Polizei 1806-1866. Tübingen: Niemeyer 1985. [↩]
Verwandte Artikel:

11 Kommentare
Wir sind verwundert über die Bemerkung von Herrn Linder, dass ihm die Polizeihistorische Sammlung Berlin eine Anfrage zu Duncker nicht beantwortet habe, da eine solche Anfrage hier nicht eingegangen ist. Auch ist der Verweis auf Frau Biermann nicht nachvollziehbar. – Das Buch von Wolfram Siemann ist übrigens in einer Reihe von Bibliotheken Deutschlands zu haben. Akten zu Duncker befinden sich auch im Landesarchiv Berlin.
je nun, dann teilen wir eben die Verwunderung. Ich habe eine entsprechende Anfrage über Ihre Website (zu Quellen, nicht zu Siemann) abgesetzt, aber weder eine Antwort noch eine Fehlermeldung erhalten. Shit happens, aber wir können uns gern gegenseitig verdächtigen. Ich jedenfalls danke dafür, daß Sie sich auf diesem Weg gemeldet haben. Beste Grüße: Joachim Linder.
Weiter suchen, ist angesagt! Bei der Verfolgung der Tochter des Königs-Attentäters Tschech erlebte Duncker in seinem Heimatort eine Enttäuschung. Elisabeth Tschech berichtet darüber in “Leben und Tod des Bürgermeisters Tschech”. 1849, S.188 f, (siehe: pdf) Mein Artikel in der jüngsten Zeitung der Berliner “Aktion 18. März” ist dem “Fall eines Polizeidirektors” gewidmet. Er stützt sich auf Akten des GStA des Jahres 1849. Duncker fiel, weil seine Folterpraxis bei der Vorbereitung des Polenprozesses 1846/47 enthüllt wurde.
Danke, lieber Herr Warnecke! Aus dem Tschech-Buch (Google) werd’ ich in den nächsten Tagen einen Blog-Artikel machen, sobald ich das Zusatzmaterial habe. Aber wie komme ich an Ihren Artikel (sei’s mit oder ohne Rechnung)?
Herzliche Grüße!
Geehrter JL, Die Berliner Märzzeitung, “Aufruf”, “…den 18. März zum Nationalen Gedenktag zu erklären”, geht Ihnen am 4. März 2010 per Post zu. Das Blatt ist kostenlos. Die “Aktion 18. März” bittet Unterstützer um Spenden auf das Konto 1228253 bei der Commerzbank Berlin BLZ 100 400 00 Kontoinhaber Volker Schröder Kennwort “18. März”, beispielsweise 18,48 €.
Polizeidirektor Dunckers Tun wurde auch mehrmals im Lied überliefert – suchen Sie mal!
Lieber Herr Warnecke (ich bleibe bei dieser Anrede): wenn ich jetzt auch noch anfange, Duncker-Lieder zu suchen, dann kommt mein Alexis-Projekt nie zu einem Ende (im Augenblick traktiere ich die Volksaufstände im “Roland” — Sie sehen, das paßt irgendwie zum Thema. Für das Heft danke ich jetzt schon (und die Spende werde ich aus irgendwelchen Rippen schneiden).
Mit der Bitte um Gewogenheit und mit herzlichen Grüßen
Ihr Joachim Linder
Duncker wird 1845 in der gedruckten Erstfassung des Liedes “War wohl je ein Mensch so frech…” und in Varianten des Liedes erwähnt. Verfasser könnte der Berliner Saß gewesen sein, der auch Kühnapfel ein Lied widmete. Hoffmann von Fallersleben lernte das Tschech-Lied im “Kreis der Freien” in Berlin kennen. Wegen eines Hochs auf H.v.F. und ein, zwei Lieder, darunter das Tschech-Lied, wurde Dr. E. Meyen in Berlin zu achtzehn Monaten Haft verurteilt und erst durch die Märzrevolution aus der Haft befreit. Später, 1875, dichtete H.v.F. ein “Neujahrslied für alle Deutschen!”: “Wir wollen nicht Spioniererei, noch auch geheime Polizei, daß sich nicht setzt in unsern Pelz ein Polizeirat Dunker”.
Gruß und beste Wünsche für Alexis. H. W.
Herzlichen Dank! Das Tschech-Lied wird in der Scherr-Fassung demnächst auf dem Blog erscheinen (und die Spende wird nächstens überwiesen: ich habe mich über Ihre Sendung sehr gefreut).
Beste Grüße: Joachim Linder
Weil mir, lieber j.l., Ihre email-adresse unzugänglich blieb, so:
Dr. Heinz Warnecke
Mühsamstr.36
10249 Berlin
12. März 2010
Sehr geehrter Herr Joachim Lindner !
In den nächsten Tagen und Wochen werde ich die Untersuchungen zu „Aufstieg und Fall Dunckers“ liegen lassen. Veranstaltungen zum 18. März, Gesundheitsrücksichten, Kur, Reisen und dergl. lassen die Fortsetzung der interessanten Nachforschungen nicht zu.
Vielleicht erweitern Sie Ihren Duncker- Blog inzwischen und gewinnen neue Interessenten für eigene Untersuchungen und Ergebnissen.
Angaben zur Familie Duncker sind erschwert. Nach der Archivarin der „Kgl Vereinigten Friedrichs-Universität von Halle-Wittenberg“ gab FWA Duncker am 9, Oktober 1816, als er sich für Jura einschrieb, als Vater Friedrich Nicolaus Duncker, Kaufmann in Lippstadt, an.
Die Fundstellenliste von Lipstadt „ vermerkt: Kaufmann Dietrich Nikolaus Duncker zu Lippstadt, Waren und Wein.
Duncker heiratete selbst wohl nicht, doch wurde ihm 1843 ein Kind geboren.
Er verwies 1849 darauf, daß er für seine sechsjährige Tochter zu sorgen hätte. Die Herangewachsene verließ später Berlin.
Der Text über Duncker könnte rasch um die – hier nicht kommentierten – biographischen Angaben aus „Pierers Universallexikon, Bd. 5, Altenburg 1858, S. 397 ergänzt werden.
Friedrich Wilhelm August Duncker, geboren in Lipstedt 1797, machte 1815, noch Gymnasiast, den Feldzug gegen Frankreich mit, studierte dann in Halle Rechtswissenschaften und wurde 1820 Auscultator beim königlichen Stadtgericht in Berlin.
Seine vorzüglichen Leistungen als Inquirent bestimmten das Ministerium des Innern und die Hauptverwaltung der Staatsschulden ihm bald auswärtige Sendungen ( u.a. nach Hamburg und 1827/29 nach Frankreich) anzuvertrauen.
1830 wurde er Criminal-Polizei-Inspector mit der Leitung der ausführenden Sicherheitspolizei in Berlin, 1835 Polizeirath, 1843 Polizeidirektor und
1847, unter Entbindung von den Geschäften beim Polizeipräsidium in Berlin, Direktor der neu zu organisierenden Bahnpolizei, im Juli 1848 Commissar der kgl. Hauptverwaltung der Staatsschulden für alle Papierfälschungsangelegenheiten.
Diese zeitgenössische Kurzbiographie bietet mehrere Einstiegsmöglickeiten für nähere Untersuchungen von Leben und Wirken Dunckers an.
Ich wünsche Ihnen bei Ihrer laufenden Arbeit und beim Suchen der Ostereier im Kreis der Familie und der näheren Freunde und Bekannten die erhofften Erfolge.
Mit herzlichen Grüßen Heinz Warnecke.
Herzlichen Dank, lieber Herr Warnecke! Die Generation der (um) 1797/98 geborenen Juristen wird mir immer unheimlicher: Duncker, Temme, Alexis, Heine … Immermann ist 1796 geb. und hat auch in Halle studiert. Ich muß im Augenblick bei Alexis bleiben, wünsche Ihnen und mir aber, daß sich der Frühling endlich durchsetzt (Ostern am Balkon … das wäre schön).
Für den Augenblick bin ich mit den besten Grüßen & Wünschen
Joachim Linder
Lieber J.L.
Zunächst den vorliegenden Beitrag zum Fall D.
Fall eines Polizeidirektors
von Heinz Warnecke
in: Aufruf. Für demokratische Tradition
und revolutionären Geist,
Berlin, Jhg.13., März 2010,
Hrg. Aktion 18. März,
V.i.S.P. Volker Schröder,
Heimstr.22, 109 65 Berlin,
Seite 6.
Am Fall des Berliner Polizeidirektor Friedrich Wilhelm August Duncker, geboren 1797, hatten die öffentliche Meinung und die Presse der preußischen Hauptstadt Berlin erheblichen Anteil. Als Ende März 1848 das Amt des Geheimen Oberregierungsrates Mathis (1797-1874), des „Königs der Zensur“, aufgehoben wurde, sollte sich nach öffentlicher Meinung diesem „höchst freudigen Ereignis“ das Ende der „exklusiven Stellung des Polizeidirektors Duncker“ anschließen.
Duncker war seit 1830 als erfolgreicher Direktor der Kriminalabteilung bekanntgeworden. Alle Spitzbuben Berlins fürchteten ihn. Sein Fall begann, als er Berliner oppositionell gesinnte Literaten verfolgte. Dr. Karl Gutzkow (1811-1878) sah Duncker im Kreis von Literaturfreunden „ganz gemütlich verkehren“, obwohl dieser im Juli 1834, aus diesem heraus Dr. Heinrich Laube (1806-1884), Journalist und Schriftsteller, verhaftete.
Als Verantwortlicher für den Schutz der königlichen Familie führte Duncker geheime Aufträge des Königs aus. Hubertus Temme (1789-1881) ein alter Bekannter, notierte, er habe schon vor 1839 „manchen politischen Auftrag gehabt, die geheimsten, die delikatesten, die wichtigsten. Er sprach nie davon“. Öffentlich bekannt wurde Dunckers Anteil am Verlauf des Attentates des Bürgermeisters Heinrich Ludwig Tschech (1789-1844) auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. durch das Spottlied: „fehlgeschlagen war die Rache, man brachte den Mörder auf die Wache, weil Herr Duncker früh vor Acht schon den Graurock hat beachtet; dass sein freches Angesicht stets auf den Eingang war gericht“.
Dunckers Dienste für den preußischen König und Staat gipfelten 1846/47 darin, in Posen den Prozeß gegen 374 aufständische Polen vorzubereiten. Er leitete die zentrale, gemischt zusammengesetzte Untersuchungskommission, die in Verhören Geständnisse erreichen sollte. Duncker entdeckte Ludwik von Mieroslawski (1814-1878), einen der Anführer der polnischen Aufstandsbewegung. Dieser erklärte in der Presse, nicht durch Drohungen und Folter zum Geständnis genötigt worden zu sein.
Doch der Fall Dunckers begann mit Presseveröffentlichungen über ihn und seine Beamten, „die als Verhörrichter nicht bloß durch Drohungen, Lügen, Martern usw. Geständnisse erpreßten, sondern falsche Protokolle aufnahmen, die Unterschrift der Verhafteten mit List oder Gewalt erzwangen, den Angeklagten im Namen von deren Frauen, Kindern und Anverwandten Briefe schrieben, um irgend ein verfängliches Wort aus ihnen herauszulocken und dgl. mehr“. Polizeidirektor Duncker wurde öffentlich als „Krone preußischer Schmach und Niederträchtigkeit“ charakterisiert und man verlangte, ihn zu entlassen. Bei Prozessbeginn im August 1847 wurden die erzwungenen Verhörergebnisse von allen Angeklagten widerrufen.
1849 setzte sich der preußische König Friedrich Wilhelm IV., ungeachtet der Enthüllungen, für Dunckers Wiedereinstellung in den Polizeidienst ein: „Warum seine Tüchtigkeit andern gönnen?“, er sei unersetzlich, auch deshalb, weil er manche wichtigen Dienstgeheimnisse in fremden Dienst hinüber brächte“.
Der amtierende Polizeipräsident Karl Ludwig von Hinkeldey (1805-1856) widersprach ihm. In der Öffentlichkeit sei Dunckr „durch seine Handlungsweise in dem bekannten Polenprozeß unmöglich geworden“ Die Wiedereinstellung würde “mit der Meinung des gebildeten und zu beachtenden Teils des Publikums in den schärfsten Widerspruch treten“.
Die von Duncker erhoffte Wiedereinstellung in den Polizeidienst unterblieb also wegen der vorherrschenden öffentlichen Meinung.
Auch heute sind die demokratisch orientierte öffentliche Meinung und Presse nicht selten einflussreich, wahr und mächtig. Denn es gilt, „was das lesende Publikum denkt, glaubt und wünscht, verwandelt sich in einer gewissen Zeit in Saft und Leben des Volkes und vollendet wie das Blut seinen Kreislauf durch den ganzen Organismus. In diesem Kreislauf bringt die Presse die öffentliche Meinung hervor und „erzeugt die öffentliche Meinung die Presse. Beides ist gleich wahr“.
Ostern fiel mir eine bemerkenswerte Notiz von Ad. Glasbrenner über Duncker auf. Die rste Veröffentlichung erfolgte in der Schrift “Die Berliner Gartenausstellung, Genrebild, Leipzig 1844″. G. war ein entschiedener Feind des “Paradies des Polizeistaates” und konnte sich, bei seinem Antrag in Frankfurt Abgeordneter zu werden, auf seine bisherige Brüderschaft mit dem Volke berufen, “als noch die besternten und buntgefleckten Polizeiknechte der Tyrannei alle Gesetze gegen uns hatten”.
Aus der Besuchergruppe äußerte sich Weinhändler Manscher über die Prüfung der “ausjezeichneten Chatullen von Schlossermeister Zoller”: “Übrigens hätten die Herren Zoller und Arnheim die Vortrefflichkeit ihrer Schlösser viel besser bewiesen, wenn Sie meinetwejen Hundert Louisd´or in die Kasten gelegt, diese verschlossen un in´s Intellijenz-Baltt jesetzt hätten:
“Anzeige für Spitzbuben. Den geehrten, rühmlichst bekannten Spitzbuben Berlins diene hiermit zur Nachricht, daß sich in unseren auf der Gewerbe-Ausstellung befindlichen verschlossenen Schatullen 500 Thlr. in Gold liegen. Wer selbige herausnimmt, dem gehören sie. Mit aller Hochachtung ergebenst usw.”
Hofrath O. : Das würde meiner Idee nach nich jejangen sein, weil sich Herr Polizeirath Duncker sonst in der Nähe dieser Jeldkassen befunden haben würde.
Weinh. Manscher (O. verwundert anschauend) I is nich mölgich!…
zitiert nach Ad. Brennglas, Humor im Berliner Volksleben, Berlin o.J. (1900), S.69/70.
Ich hoffe bis zur Jahresmitte den Sterbetag und Beisetzungsplatz Dunckers in Berlin herauszubekommen. Herzliche Grüße und gute Wüsche H.W.