Novelle von Leopold Schefer. Erstmals in Penelope. Taschenbuch auf das Jahr 1833 … Erst hab’ ich den Bachmannpreistext von Petersen gelesen, dann dessen Analyse von Klaus Kanzog in der Zeit (mit dem unglaublich blöden Titel), dann ist mir endlich die Schefer-Novelle wieder eingefallen (wobei der Google-Link gar nicht so leicht zu finden war).
Man kann das leicht beunruhigend finden, daß in der gegenwärtigen Krise Literatur und Literaturkritik auf Sterbehilfe und ‘Tötung auf Verlangen’ stehen. Das war in der Zeit zwischen 1900 und 1930 auch schon so: das Abfeiern des Opfers, das der bringt, der den Leidenden (bzw. und häufiger die Leidende) tötet:
“Dies bring’ ich der Zukunft, der Menschheit von morgen,
Dies bring’ ich dem Glauben an Licht und an Glück.
Dies bring’ ich dem Brudersinn, bring’ es der Güte,
Und schenke mich freudig der Erde zurück.
Der Heiland muß zahllose Male noch sterben,
Bis jeder dem andern hier hilft und ihn liebt,
Unsern Stern muß viel edles Blut noch durchfärben,
Bis er sich für immer dem Guten ergibt.
Dies bring’ ich der Hoffnung, der Schönheit entgegen
Durch die Nacht in das nahende Morgenrot
Und entreiße dem Glauben Sieg mir und Segen
Und sterbe den seligsten, freiesten Tod”
(Herbert Eulenberg: Mächtiger als der Tod. Ein Leidens- und Freudenspiel. Stuttgart: J. Engelhorns Nachf. 1921: in dem Stück geht’s um das Strafverfahren gegen Prof. Faber, der seine Frau zwar auf deren Verlangen tötet, aber doch einen Mord begeht, weil sie in der konkreten Situation ihre Bitte widerruft. Doch so genau will’s das Gericht nicht wissen und verurteilt zur Mindesstrafe aus § 216. Doch Faber, ein typischer ‘neuer Mensch’ der zg. Literatur, bringt sich dann selbst für seine Sache zum Opfer. Aber das ist längst nicht alles; Eulenberg bringt den ganzen Diskurs zur ‘Vernichtung des lebensunwerten Lebens’ auf die Bühne und läßt reihenweise sterben. Die zitierten Verse sind Fabers ‘Schlußworte’, sozusagen sein Vermächtnis an die Nachwelt.)
Keine verwandten Artikel vorhanden.