weil ich grad die Rezension eines Lustmord-Buches redigiere (oder begutachte), komme ich zum x-ten Mal auf die schöne Analogie zwischen Serial Killers und Giftmörderinnen zu sprechen:
Jack the Ripper (“a blank slate”, schreibt mein Rezensent) präfiguriert die kriminalistischen (oder meinetwegen auch kriminologischen) Konzeptionen des Serial Killers um etwa achtzig Jahre. Die Giftmörderin wird in den kriminologischen (bzw. kriminalpsychologischen und kriminalanthropologischen) Schriften des späten 19. Jahrhunderts zur Ikone der gefährlichen Frau gemacht (s. etwa August Krauss, 1884, und — wesentlich wirkungsvoller — Richard von Krafft-Ebing, 1886ff.). Auch hier gibt es einen populären Vorlauf von mehreren Jahrzehnten, man muß nur an die Fallgeschichten von P. J. A. Feuerbach (1808ff.) und Willibald Alexis (1842ff) denken.
Und eine Google-Anmerkung:
August Krauss:1 Psychologie des Verbrechens. Ein Beitrag zur Erfahrungsseelenkunde. Tübingen: Verlag der H. Laupp’schen Buchhandlung 1884. Das Buch ist vom Harvard-Exemplar vollständig gescannt, aber mit deutscher Adresse nicht zugänglich. Dafür kann man aber bei Amazon um teures Geld einen Faksimile-Druck von Kessinger Pub. erwerben.
Auch wenn ich jetzt mit einer Abmahnung vom mächtigen Händler rechnen muß, noch eine zweite Bemerkung:
Man kann auch eine Google-Titel-Suche nach “Psychoathia Sexualis” machen, sollte sich dafür aber gleich an ein Terminal setzen, das in den USA steht. Dann taucht nicht nur Krafft-Ebing auf (dt. und übersetzt), sondern auch Schrenck-Notzing und Iwan Bloch … (fundgrubenmäßig).
- 1831-1885, in den 1980ern habe ich ewig nach dem Vornamen gesucht; hier gibt’s jetzt einen biographischen Artikel, den ich noch nicht gelesen habe: Kreuter, Alma: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater : ein biographisch-bibliographisches Lexikon von den Vorläufern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. – München [et al.] : Saur, 1996. – 3 Bde, via Saur/WBIS. [↩]
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