“Ringvereine” (Kriminalitätsgeschichte, Forschung)

Ra Verbr

Arthur Hartmann and Klaus von Lampe: The German underworld and the Ringvereine from the 1890s through the 1950s. In: Global Crime Vol. 9, Nos. 1–2, February–May 2008, S. 108–135. (Sonderheft “Organised Crime in History”, s. auch Klaus von Lampes Website zu O. K.)

Abstract: “Ringvereine were officially chartered associations of ex-convicts which, on paper, provided mutual aid and promoted the cultural activities of their members. In reality, they promoted their members’ criminal activities in various ways and acted as professional associations of criminals, which set and enforced rules and provided members with contacts, assistance and status. At least in certain areas, namely prostitution and racketeering, the Ringvereine may also have functioned as criminal organisations with direct involvement in criminal activities. Using data obtained from a systematic analysis of various contemporary newspapers and periodicals, and from a review of secondary sources, primarily comprising journalistic and law enforcement accounts, this study examines their structure, function, geographical scope, membership characteristics and ties to legitimate institutions and  highlights major phases and turning points in their history which spans an era from the late nineteenth to the mid-twentieth century. It is argued that the Ringvereine constitute a deviant case in the history of German organised crime, which otherwise has been characterised more by informal and fragmented offender structures embedded in deviant  subcultures”.

Auf jeden Fall eine spannende Lektüre über ein kriminalitätshistorisches Thema, das bislang nicht eben nachdrücklich erforscht wurde, obwohl die “Ringvereine” zum Standardrepertoire der (deutschsprachigen) populären Kriminalitätsmedien gehör(t)en. Darauf verweisen Hartmann und von Lampe gleich in den ersten Sätzen der Arbeit:

“Fritz Lang’s classic 1931 movie ‘M’, starring Peter Lorre in the role of a compulsive child murderer, marks a milestone in cinematography. But it is also an important document of an interesting and almost forgotten episode in the history of crime in Germany and the entire history of organised crime. [...] As a result, ‘M’ is not merely a movie about the underworld. It shows some of the real people belonging to Germany’s underworld around the year 1930″.

Die  ästhetisch herausragende filmische Inszenierung der Ringvereine wird zum Beweis für ihre Existenz. ‘Harte’ Quellen (z. B. Akten aus Strafverfahren) dafür und vor allem für die internen Verfassungen der verschiedenen Vereine scheint es nicht allzu viele zu geben. Das kann man plausibel auf die Einhaltung von Schweigeverpflichtungen der Mitglieder zurückführen. Doch dann bleibt man auf ‘weiche’ Quellen angewiesen (Zeitungsberichterstattung, Memoiren und eben Fiktionalisierungen wie Langs Film), deren Phantasieanteil nicht zu bestimmen ist. Jedenfalls folgt gerade Langs Darstellung ihren inneren Konstruktionsbedingungen, nach denen die Polizei- und die Ganovenorganisationen in einem Abbildungsverhältnis stehen müssen, das ihre Unterscheidung erschwert, aber eben nicht ganz unmöglich machen soll.

Ra Pol

So aber funktioniert die Herstellung krimineller Gegen- oder Unterwelten auch schon in den Räuberromanen des 18. Jahrhundert: Es sind Projektionen der nicht-kriminellen ‘Oberwelt’, die mit der Verteilung von Unterscheidungsmerkmalen außerordentlich sparsam umgehen, so daß die eine Welt von der anderen zwar unterschieden werden, aber doch jede sich in der anderen auch wiedererkennen kann. (Langs wirkungsvolle Pointe ist freilich das Abbildungsverhältnis zwischen Polizei- und Ganovenorganisation.)

Organised Crime in History

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