Das Gefäß des Herrn

Zehn Jahre sind’s heut, da hast Du holdes Weib,
Dich mir zum vollen Eigenthum gegeben
Und heiße Liebesfrucht, sechs neue Leben
Erschuf ich Deinem wundersüßen Leib.

Wie kannst du nun, du bleicher starrer Leib
dem ich geschenkt so vieles frisches Leben
Am Hochzeitstag den Tod dem Gatten geben
Der nichts so liebte als sein treues Weib?

O zürne nicht dem Leib, in ird’scher Lust
Gab er sich dar am Hochzeitstag, zu zeugen
In seiner Hülle neue Menschenkeime.

Jezt liegt er starr und fühlet andre Lust,
Grabend Dir ein dies Bild in Dir zu zeugen,
Den neuen Menschen für des Himmels Räume.1

Johanna (Sophia Amalia) Hitzig, geb. Bartenstein, gesch. v. Meyer, 1782-1814. Von den sechs Kindern haben drei so lange überlegt, daß sie auch in der NDB erwähnt werden: der Sohn Friedrich (1811-1881, Architekt in Berlin mit eigenem NDB-Eintrag) sowie die Töchter Eugenie und Klara. Letztere heiratete Franz Kugler, den Kunsthistoriker (1808-1858), der im 15. Band des Neuen Pitaval (= Bd. 3 NF, 1850) den Nachruf auf Hitzig verfaßte (S. VII ff.), ohne auf die lang verstorbenen Schwiegermutter näher einzugehen.

  1. Julius Eduard Hitzig am Leichnam seiner Frau, 22. Mai 1814. Zit. nach einem autobiographischen Fragment aus dem Jahr 1844, abgedruckt bei Nikolaus Dorsch: Julius Eduard Hitzig. Literarisches Patriarchat und bürgerliche Karriere. Eine dokumentarische Biographie zwischen Literatur, Buchhandel und Gericht der Jahre 1780–1815. (Marburger Germanistische Studien, Bd. 15) Frankfurt/M. u. a.: Lang, 1994, S. 276. []

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