Willibald Alexis: Der Collaborator Liborius.
Wenn man schon in Müllers abergläubischem Bernhard Sölling einen (modernisierten) Abkömmling des “Quintus Fixlein” (1796) sehen kann, dann erscheint mit Alexis’ “Collaborator Liborius” ein zweiter solcher im Urania-Taschenbuch auf das Jahr 1827.
Liborius fühlt sich zum Dichter berufen und folgt dieser Berufung, als ihm vom kleinstädtischen Standesherrn der Aufstieg vom Collaborator zum Konrektor verwehrt wird. Er bezieht in der Duodezresidenz eine Dachkammer, für die sein Geld kein ganzes Jahr reichen wird — in dieser Zeit muß ihm der Durchbruch am literarischen Markt gelingen. Tatsächlich ist seine Phantasie ständig aktiv, doch er bringt nur wenige Zeilen zu Papier. Während er sich in den Kreisen der örtlichen Philister-Honoratioren bewegt, hat er zahlreiche Begegnungen, deren Realitätsstatus ihm selbst und den Lesern rätselhaft bleibt. Es sind Doppelgänger und Figuren E. T. A. Hoffmanns, die er für seine Literatur nicht verarbeiten kann. Die ‘wirkliche Wirklichkeit’ ist Liborius aber ebenfalls unzugänglich und erscheint ihm lediglich als abgeschmackter Unterhaltungsstoff für Voyeure. Seine ‘Krankheit’ kommt endgültig zum Durchbruch, als er glaubt, einen Teufelspakt abgeschlossen zu haben. Doch das ist auch die Krisis, die ihn rettet (und den Literaturbetrieb vor ihm). Für das Realitätsprinzip sorgt jetzt der Arzt, für das weitere Fortkommen der Standesherr, der ihn nun doch zum Konrektor macht. Liborius kehrt in die Kleinstadt und deren Schule zurück, wohl versehen mit Gehaltsaussichten und Frau und Schwiegermutter.
Übrigens war Alexis auch Popes “Dunciade” (1728 ff.) bekannt, die demnach eine weitere Quelle sein könnte für diese Warnung vor der ‘belletristischen Schriftstellerei als Lebensberuf’ (Hitzig 1838).
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