Junge Krieger

ganz zufällig lese ich zur Zeit drei Erzähltexte nebeneinander, in denen junge Männer (das ist übertrieben: es sind Buben im Alter von sechzehn oder siebzehn Jahren) in den Krieg geschickt werden (geschickt, auch wenn sie als Freiwillige gehen):

Willibald Alexis: Iblou. Novelle. Erstmals im Frauentaschenbuch für das Jahr 1823 (Nürnberg: Schrag), dann bearbeitet im ersten Band von W. A.s Novellen, knapp 100 Seiten lang;

Richard Yates: A Special Providence. New York: Knopf 1969;

Denis Johnson: Tree of Smoke. New York: Farrar, Straus and Giroux 2007 (mit dem bin ich noch nicht ganz durch).

Alexis läßt seinen namenlosen Ich-Erzähler als freiwilligen ‘Jäger’ an den Belagerungen von Givet und der Festung Charlemont im Herbst 1815 teilnehmen, Yates’ Bobby Prentice wird im Herbst 1944 eingezogen und nimmt nach kurzer Grundausbildung am Vormarsch der Alliierten nach der deutschen ‘Ardennenoffensive’ teil. James Houston meldet sich in Tree of Smoke zur Army, anstatt das letzte Jahr auf der Highschool zu verbringen; er landet bei der Infanterie und wird im Frühjahr/Sommer 1967 nach Vietnam geschickt.

Statt für die vielen Unterschiede interessiere ich mich die Übereinstimmungen, die schon damit anfangen, daß die drei Buben, wenn man den autobiographischen Anteil in Alexis’ Text berücksichtigt, alle vaterlos sind. Der Krieg macht sie keineswegs zu Männern, geschweige denn zu Helden. Sie verrichten die Drecksarbeit der unteren Dienstgrade und werden ihrer so überdrüssig wie der ganzen Männerkameradschaft. Sie müssen Krankheiten überstehen und werden, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weisen, in Verbrechen verwickelt. Und ein richtiger ‘Heimkehrer’ wird aus keinem von ihnen.

Alexis legt seinem Ich-Erzähler eine poetologische Reflexion in den Mund, die auf die Beschäftigung des Autors mit dem historischen Roman à la Scott zurückgeht, aber in bemerkenswerter Weise auch auf die anderen beiden Texte zutrifft:

… gern verschwinde ich aus dieser Erzählung, wo es mein letzter Zweck gewesen, mich als Helden, wie ihn der Roman verlangt, hinzustellen, wenn nicht eben der Romanheld die allerbescheidenste Aufgabe hätte, nichts zu seyn als der äußere Faden für die Begebenheiten.

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