Faust und Mephistopheles zu Pferde beim Rabenstein vorbeisprengend.
Aus: Peter von Cornelius: Bilder zu Goethe’s Faust. Franckfurt am Main 1816 (vollst. Digitalisat).
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(Faust I) Nacht, offen, Feld
FAUST. Was weben die dort um den Rabenstein?
MEPHISTOPHELES. Weiß nicht, was sie kochen und schaffen.
FAUST. Schweben auf, schweben ab, neigen sich, beugen sich.
MEPHISTOPHELES. Eine Hexenzunft.
FAUST. Sie streuen und weihen.
MEPHISTOPHELES. Vorbei! Vorbei!
Aber es geht um Willlibald Alexis’ Erstlingsroman Walladmor (1824), genauer: um das erste Kapitel im zweiten Band. Bertram, der sich vom Schiffbruch erholt und einige Tage in einem Gasthaus verbracht hat, ist jetzt auf dem Fußweg nach dem Kloster Griffith ap Gauvon, um dort Niklas zu treffen (das ist selbstverständlich eine unzulässige Teilplot-Verkürzung). Ein Winterabend im Hochmoor. Ein alter ‘Steingalgen’ war ihm als Wegmarke bezeichnet worden, der “jetzt nur noch zur Zierde” dastehe und “wenig Dienste mehr” tue:
vom Galgen her tönte ein seltsamer wilder Gesang, und er glaubte auch hier eine Gestalt um das graue Gerüste herumspringen zu sehn. Als er einige Schritte sich genähert hatte, erkannte er ein Weib, welches bald mit wunderbar pathetischem Schritte auf- und niederschritt, bald in wilden Sprüngen um die Steinpfeiler tanzend sich bewegte. Er blieb stehen, wie von einer Ahnung, daß er das Weib kennen müsse, ergriffen:
Was singest Du, Kind, um den Rabenstein?
Verlumpt mit loosem Haar? –
Juchheißa, Herr Reiter, ich tanze den Reihn
Als Braut am Traualtar;
Was sollt’ ich mich nicht freun?
Meine Mutter hing hier am Rabenstein,
Noch flattern die Lumpen im Wind.
Mein Vater starb im hohen Thurm,
Juchheißa ich bin sein Kind.
Was sollt’ ich mich nicht freun?
Mein Bruder stand auch am Rabenstein,
Und muß jetzt Karren schieben;
Meine Schwester ward dran ausgepeitscht,
Ist ehrlich doch geblieben.
Was sollt’ ich mich nicht freun?
Drei Burschen hingen am Rabenstein
An ein und selbem Tag,
Es waren meine liebsten allzumal,
Das war ein lust’ger Tag..
Was sollt’ ich mich nicht freun?
Wer niemals denkt an den Rabenstein,
Der mir auch nicht gefallt!
Sprach ich zum ersten Liebsten mein,
Und er ging in die Welt.
Was sollt’ ich mich nicht freun?
Juchheißa wer am Rabenstein,
Der stirbt in freier Luft.
Die Glocken klingen vom Thurm ihm zu,
Weiß nichts von Grab und Gruft.
Was sollt’ ich mich nicht freun? –
Mein Kind, zu hoch ist der Rabenstein
Für Dich noch alleweil,
Komm mit auf’s Pferd in die weite Welt,
Das Hangen hat nicht Eil.
Was soll Dich das nicht freun? –
Herr Reiter, man steht den Rabenstein
Als Merkmal überall.
Wer ohn’ das Ziel in die Weite sprengt,
Verirrt und kommt zu Fall.
Kann mich mit Euch nicht freun. –
Lieb Mädchen, ich reite zum Rabenstein
Wohl hin auf graden Wegen,
Ich reite wie ein Rittersmann
Den Reisenden entgegen,
Kann Dich das nicht erfreun?
Lieb Mädchen, ich sah am Rabenstein
Dich wohl vor sieben Jahr,
Nun hab’ ich in der Welt mich besser bedacht:
Er sei unser Traualtar.
Soll das uns nicht erfreun?
Er küßt die Liebste am Rabenstein
Und hebt auf’s Pferd sie geschwind,
Dann sprengt er mit ihr in die weite Welt,
Die Leichen flattern im Wind.
Soll das sie nicht erfreun?
“Ein seltsames Lied! der Ausdruck der allerfurchtbarsten Verzweiflung eines zerstören Gemüthes, welches aber in dem Übermaße des Schreckens eine gewisse Festigkeit und Ruhe gefunden hat. Es kann nur eine alte Schottische Ballade sein –”.
Mitnichten. Die Scott-Mystifikation parodiert sich selbst, indem sie zu allem Überfluß noch auf die Ossian-Kontroverse anspielt, die auch in Alexis’ Artikel “Über Balladenphantasie” (1824 wie Walladmor) kurz gestreift wird. Und vermutlich weiß Alexis, daß Dr. Samuel Johnson den Ossian-Mystifikator MacPherson als ‘mountebank‘, als Hochstapler.
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